EGOM will die Energiewende: Dritte Solaranlage ist am Netz

Cordula Sailer 21.03.2018 Rhein-Lahn Zeitung

 

Die Energiegenossenschaft Oberes Mühlbachtal (EGOM) hat in dieser Woche ihre dritte Fotovoltaikanlage in Betrieb genommen. Und zwar auf dem Hausdach von Jenny Schiffer und Simon Lenz in Strüth. „Man kann mit so wenig Aufwand schon etwas tun“, sagt Schiffer, die mit ihrem Lebensgefährten einen eigenen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung leisten will. 2017 sind die beiden daher der EGOM beigetreten.

Finanziert, installiert und betrieben wird die Solaranlage von der Energiegenossenschaft. Schiffer und Lenz stellen lediglich ihr Hausdach zur Verfügung; das ist in einem Nutzungsvertrag mit der EGOM so geregelt. Dafür können sie Strom vom eigenen Dach beziehen – für 25 Cent pro Kilowattstunde. Überschüssiger Strom wird von der Genossenschaft ins öffentliche Stromnetz eingespeist und nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet. Etwa 5800 kWh Strom soll die neue Anlage jährlich produzieren. Das ist mehr, als Schiffer und Lenz zusammen mit drei Kindern im Haushalt verbrauchen.

In Strüth ist die dritte Fotovoltaikanlage der Energiegenossenschaft Oberes Mühlbachtal (EGOM) ans Netz gegangen. Die Hauseigentümer stellen ihr Dach zur Verfügung und können Solarstrom für 25 Cent pro Kilowattstunde beziehen. Die EGOM trägt die Anschaffungs- und Betriebskosten für die Anlagen. Fotos: Cordula Sailer

Foto: Cordula Sailer

„Es gibt viele, die ihr Dach anbieten“, sagt Thomas Schwab aus dem Vorstand der EGOM. Doch nicht alle Standorte kommen infrage: entweder ist der Dachbelag zu alt oder es ist nicht genug Ertrag zu erwarten, da nicht genug Sonne auf das Dach fällt. Zwar strebe die Genossenschaft nicht nach dem größtmöglichen Gewinn. „Aber man wirtschaftet ja mit dem Geld anderer Leute“, gibt Schwab zu bedenken.

Auch Kommunen sind Mitglied

Fast 90 Mitglieder hat die im Februar 2016 gegründete Energiegenossenschaft inzwischen. Dazu zählen nicht nur Privatleute, sondern auch der Kreisverband der Grünen, die Verbandsgemeinde Nastätten sowie die Ortsgemeinden Diethardt, Strüth, Wiedenbach und Welterod. Wer der EGOM beitritt, erwirbt mindestens drei Genossenschaftsanteile zu je 100 Euro. „Man sieht, dass das erfolgreich ist“, bilanziert Thomas Schwab mit Blick auf die steigende Mitgliederzahl. Die Genossenschaft will ein „Veränderer“ sein, die Energiewende vorantreiben. Doch zu dieser Wende gehöre nicht nur die regenerative Stromerzeugung, so Schwab, sondern auch die Mobilität. Und so ist die Elektromobilität das zweite große Thema der EGOM. Im Sommer 2016 hat die Genossenschaft ein Carsharing-Projekt ins Leben gerufen. Mehr als 60 Personen haben sich bereits angemeldet, um mit dem E-Auto der Genossenschaft fahren zu können. Zuerst muss dafür ein entsprechender Vertrag mit der EGOM abgeschlossen werden. Danach kann der Fahrer das Auto über ein Online-Portal buchen. Der Mietpreis pro Stunde beträgt 5, der Tagespreis 18 Euro.

Thomas Schwab (Mitte) aus dem Vorstand der EGOM und Gründungsmitglied Hansjörg Voss gratulieren Jenny Schiffer zu der Fotovoltaikanlage auf ihrem Hausdach.

Foto: Cordula Sailer

Seinen Standort hat das EGO-Mobil, wie die Energiegenossen ihr Auto nennen, vor dem Strüther Bürgerhaus. Seit September steht dort auch eine Ladesäule bereit, die die Ortsgemeinde mithilfe von Leader-Fördermitteln aufgestellt hat. Hier „tankt“ die EGOM zum vergünstigten Preis von 15 Cent pro Kilowattstunde. Doch ein Carsharing-Konzept auf dem Land umzusetzen, ist schwieriger als in der Stadt, erläutert Klaus Birker aus dem EGOM-Aufsichtsrat. „In der Stadt stellt man das Auto an einer Ecke ab, und dann kommt wieder einer vorbei, der es nutzt“, so Birker. Doch fahre jemand mit dem EGO-Mobil von Strüth nach Holzhausen, „dann dauert es lange, bis da ein weiterer Nutzer in Holzhausen vorbeikommt, der das Auto haben will“. Für ein wirtschaftlich rentables Carsharing reiche ein Auto auf Dauer also nicht aus, meint auch Thomas Schwab. „Das muss ein Pool sein“, sagt das Vorstandsmitglied. Am besten seien dann unterschiedliche Standorte der Elektrofahrzeuge.

Als Standorte für ein weiteres Elektroauto der Genossenschaft kommen derzeit Miehlen und Diethardt infrage, so Schwab. Denn Miehlen will es Strüth nachmachen und ebenfalls eine Leader-Förderung für eine E-Ladesäule beantragen. Die Gemeinde prüft gerade mögliche Standorte für eine solche Ladestation. „Und Diethardt ist selbst Anteilseigner“, erläutert Schwab. Zudem gebe es dort schon einige Nutzer des EGO-Mobils. In Diethardt will Schwab die Idee eines weiteren E-Auto-Standorts in der kommenden Woche im Gemeinderat vorstellen.

Momentan fehlt der Genossenschaft aber noch das nötige Geld für die Neuanschaffung. „Mit den Einnahmen, die wir von der Vermietung des EGO-Mobils oder durch die Fotovoltaikanlagen haben, kann man kein neues Auto kaufen“, sagt Klaus Birker. Daher seien nun Mitglieder angeschrieben worden, ob sie weitere Genossenschaftsanteile erwerben möchten. „Und es wäre gut, wenn es ein paar Nutzer gäbe, die eine monatliche Auslastung zum Betrag x garantieren“, meint Birker. „Dann könnte man besser planen.“

Um Ideen zu sammeln, wie ein gut funktionierendes Carsharing in der Region aussehen könnte, möchte die EGOM nun auch einen Energiestammtisch ins Leben rufen. Der erste soll am Dienstag, 10. April, im Gasthaus zur Rose in Miehlen stattfinden. Denkbar wäre beispielsweise auch ein Hol- und Bringdienst für das Genossenschaftsauto, meint Birker. „Wenn jemand nicht weiß, wie er das Auto kriegen soll, könnte er es vor die Tür gestellt bekommen“, schlägt er vor. Doch dazu brauche es ehrenamtliche Helfer.

Um neue Mitstreiter werben

Auch diese hofft die Genossenschaft über den Stammtisch zu gewinnen. Denn momentan gebe es nur etwa zehn aktive Mitglieder – den Führungszirkel der Energiegenossenschaft bereits mit eingerechnet. Im Optimalfall, so Birker, könnten aus dem Stammtisch Arbeitsgruppen erwachsen: „Eine für die Betreuung des Autos, eine für die Öffentlichkeitsarbeit und eine für die Fotovoltaik.“

Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

Wer sich für die Aktivitäten der EGOM interessiert, kann über die E-Mail-Adresse info@egom.de Kontakt aufnehmen. Nähere Informationen finden Sie auch im Internet unter www.egom.de