Dorfgeschichte

Strüth – ein kurzer geschichtlicher Überblick

Das Gebiet, in dem das Dorf Strüth liegt, war schon in frühester Zeit besiedelt.
In der Gemarkung Strüth gibt es mehrere Hünengräber, in denen bei uns schon in der jüngeren und der frühen Steinzeit, also um und nach 2000 vor Christus, die Toten bestattet wurden.
Erste sichere Beweise dafür gibt es aus der Zeit von 1800 –750 v.u.Z.. In einem Hünengrab fanden Bauern außer den Resten einer Urne eine bronzene Radnadel und einen Armreif aus Bronze. Beide Schmuckstücke befinden sich heute im Landesmuseum in Wiesbaden. Außerdem wurde 1928 bei Grabungsarbeiten im Garten des Klosters Schönau eine Haarnadel gefunden, die ebenfalls aus der Bronzezeit stammte.
Aus der frühen Geschichte sind uns die Lipporner Schanze und die „Alte Burg“ bekannt. Die Lipporner Schanze entstand als Fluchtburg in der Hallsteinzeit (Eisenzeit:750-450 vor Christus). Sie war eine Wehranlage, die von der Bevölkerung der Umgebung bei einer drohenden Gefahr aufgesucht wurde.
Die Alte Burg, die auf einer Felsnase am Tal Felsein im 10. Jahrhundert errichtet wurde, war die größte Wehranlage im Wisperland. Sie war der Stammsitz der Grafen von Laurenburg. Besitzer der Alten Burg war Graf Drutwin von Laurenburg. Er hatte auf die weitere Entwicklung in unserer Gegend einen großen Einfluss. Als treuer Weggefährte bei den Feldzügen des Herzogs Hermann von Alemannien erhielt er von ihm ungewöhnlich viele und große Ländereien geschenkt. Dazu gehörte auch die heutige Gemarkung Strüth mit zahlreichen Einzelhöfen. Damit gehörte Strüth zur Nassauischen Herrschaft. Außerdem erhielt Drutwin vom Herzog Hermann einen Teil der Reliquie des Heiligen Florin. Er stiftete sie der von ihm erbauten Kapelle in Lipporn. Damit schuf er die Voraussetzung zur Gründung der Lipporner Benediktinerprobstei. Damit kam zur weltlichen die geistliche Macht. Graf Drutwin von Laurenburg war es auch, der durch sein Gelübde kurz vor seinem Tod, Schönau in Strüth als Sitz eines Klosters bestimmt hatte.
Die Bewohner der Vogtei lebten früher vom Ackerbau, der Viehzucht und dem Handwerk. Die Mehrzahl der Menschen war in der Landwirtschaft tätig. Da die Bauern kein eigenes Land hatten, mussten sie ein Zehntel der Ernteerträge an die Grundbesitzer abgeben. Das war die Nassauische Herrschaft in Weilburg, aber auch das Kloster Schönau. Die Grafen von Laurenburg setzten Schultheißen ein, die neben ihren Verwaltungsarbeiten den „Zehnt“ eintreiben mussten. Der erste in alten Kirchenschriften erwähnte war 1607 Hanß Zahn, Schultheiß zu Welterod. Er war für die Ortschaften Lipporn, Strüth und Welterod zuständig, hatte aber seinen Wohnsitz in Welterod. In der Ortsmitte von Strüth gab es eine Zehntscheune, in der die Abgaben der Bauern für die Grafen von Laurenburg eingesammelt wurden. Die Abgaben für das Kloster wurden unter Mithilfe der Pfarrer ins Kloster gebracht. Die Bauern und Viehhirten lebten in großer Armut. In den Jahren mit Missernten mussten sie hungern.
Durch die technische Entwicklung wurde nach und nach die Arbeit der Bauern erleichtert. Zur Einbringung der Ernte wurden erst einfache Maschinen, dann Mähmaschinen und schließlich Mähdrescher eingesetzt. Sie konnten auch Landbesitz erwerben. Dabei kam es zu einer Zersplitterung der Landfluren in unserem Kreis. Durch die Flurbereinigung in den 50-er und 60-er Jahren wurde sie beseitigt. In den vergangenen Jahren nahm die Zahl der Bauern in Strüth ständig ab. Gab es 1991 noch zwei Vollerwerbs und vier Nebenerwerbslandwirte, so sind es heute nur noch drei nebenberufliche Bauern.
Eine ähnliche Entwicklung gab es auch im Handwerk und Gewerbe. Aus der großen Zahl von früher sollen nur einige Berufe aufgezählt werden: Müller, Ölmüller, Wagner, Bierbrauer, Bäcker, Metzger, Färber, Sattler, Schneider, Buchmacher, Töpfer, Maurer, Schmied, Nagelschmied, Küfer, Hutmacher, Zimmermann,…
Heute sind es nur noch:
2 Elektro-Fachbetriebe,
1 Bäcker, 1 Friseurstube,
2 Gartengestaltung,
2 Gaststätten,
1 Klavierschule,
1 Landwirt

Außer in Zeiten der Hungersnot hatten die Menschen in der Vogtei schwere Zeiten zu überstehen:
Die Jahre 1612/13 waren Unglücksjahre für die Gemeinde. Die Pest brach aus und forderte viele Opfer. Am 5. Dezember 1612 fing das große Sterben an. Ganze Familien starben aus. Manche Familien verloren alle Kinder. Die Menschen nahmen die Krankheit nicht ernst. Sie holten aus den Pesthäusern die Kleider der Verstorbenen und infizierten sich damit. Der Seuche fielen in der Kirchengemeinde 159 Personen zum Opfer.
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) spürte die Bevölkerung die negativen Auswirkungen. Durch die Besetzungen und die damit verbundenen Plünderungen durch französische Truppen und die anderer Nationen mussten die Einwohner viel Leid ertragen. Oft mussten sie vor den feindlichen Truppen fliehen. Die fehlenden Ernten und die Verringerung des Viehbestandes vergrößerten die Not der Menschen.
Auch das Kloster blieb nicht verschont. Am 5. Oktober 1631 überfielen zuerst schwedische Reiter und danach die Bauern der näheren Umgebung das Kloster, plünderten es, folterten und verjagten die Mönche und den Abt. Dabei wurde auch das Grab der hl. Elisabeth aufgebrochen.
Als der Erste Weltkrieg 1914 ausbrach, wurden alle wehrfähigen Männer in Strüth eingezogen. 73 Väter und Söhne der Strüther Familien mussten an die Front. Vierzehn von ihnen kehrten nicht zurück. Durch die Einberufungen fehlten in den häuslichen Betrieben die Arbeitskräfte. Der Arbeitsmangel war so groß, dass viele Schüler längere Zeit vom Unterricht befreit werden mussten. Fast die gesamte Ernte, einschließlich der Futtermittel für das Vieh, wurde von der Regierung beschlagnahmt, der Eigenbedarf rationiert.
Um den Bedarf der Rüstungsindustrie an Metallen und anderen Rohstoffen zu decken, mussten die Kirchengemeinden die Zinnpfeifen aus den Orgeln und die Kirchenglocken bis auf eine abgeben. In der Bevölkerung wurde ein umfangreiches Sammelwesen für kriegsnotwendige Rohstoffe organisiert.

Nach dem Endes des Krieges 1918 wurde Deutschland von den Siegermächten besetzt. Die Amerikaner mit dem Brückenkopf in Koblenz und die Franzosen mit ihrem in Mainz legten den rechtsrheinischen Einflussbereich auf einer Generalstabskarte durch je einem Halbkreis mit einem Radius von 30 km um Koblenz und Mainz fest. Da beide Halbkreise sich nicht berührten, entstand zwischen ihnen ein Stück unbesetztes Land, das wegen seiner Form vom Volksmund „Flaschenhals“ genannt wurde. Er wurde 1919 im Vertrag von Versailles als Freistaat anerkannt. Strüth gehörte zum Gebiet des Freistaates. In Strüth und Zorn war die engste Stelle des Flaschenhalses mit nur wenigen 100 Metern. Die Bauern konnten das Land, das im besetzten Gebiet lag, nicht bestellen. Auch die Verkehrsverbindungen waren schwierig. Die einzige Straße von Lorch nach Limburg führte mehrfach durch besetztes Gebiet. Transporte auf dem und über den Rhein waren durch die Besatzungstruppen verboten. Die Versorgung im Freistaat war aber besser als in den besetzten Gebieten, da sich nachts ein reger „Grenzverkehr“ entwickelte. Von 1919 bis 1921 hatte der Flaschenhals eine eigene Währung. Allmählich wurden die Grenzbedingungen gelockert. Die Preise stiegen und es entstand im Freistaat ein blühender Handel. Viele glaubten an jetzt folgende„goldene Zeiten“. Es war aber ein Trugschluss. Die Zeit der Inflation und der Weltwirtschaftskrise hatte begonnen.

Der 2. Weltkrieg (1939-1945) brachte viele Entbehrungen und unendlich viel Leid auch für die Einwohner von Strüth. Wegen der zahlreichen Einberufungen zum Wehrdienst fehlte es, besonders in der Landwirtschaft, an geeigneten Arbeitskräften. Trotzdem wurden die Felder auch in dieser schwierigen Zeit bestellt. Die Hauptaufgaben übernahmen die daheimgebliebenen Frauen. Sie wurden bei der Bestellung der Felder und bei der Ernte von französischen, polnischen, ukrainischen und russischen Kriegsgefangenen unterstützt. Die Schulkinder hatten 1943 nur noch an drei Tagen in der Woche Unterricht. Für alle lebensnotwendigen Dinge wurden Bezugsscheine eingeführt. Der Kriegsverlauf hatte auch unmittelbare Einflüsse auf Strüth und die benachbarten Orte. Amerikanische und britische Bombengeschwader überflogen häufig unseren Ort. Nachts war der Himmel durch Suchscheinwerfer und das Aufblitzen der Mündungsfeuer von Flakgeschützen erhellt. Luftkämpfe deutscher Jäger mit den Angreifern konnten beobachtet werden. In der Nacht vom 9. auf den 10. August 1942 fielen bei einem englischen Fliegerangriff mehr als tausend Brandbomben außerhalb von Strüth auf ein unbewohntes Gebiet. Sie brannten aus, ohne Schaden anzurichten. Da man auf Strüth auch Angriffe mit Sprengbomben befürchtete, wurden splittersichere Bunker gebaut. In der Neugasse errichtete man in wochenlanger Arbeit einen langen Stollen, in dem 90 Menschen Schutz finden konnten
Kurz vor dem Ende des Krieges beschossen die Amerikaner bei ihrem Vormarsch mit ihrer Artillerie Strüth und die Ortschaften der Umgebung. In Strüth war in dieser Zeit eine deutsche Flakeinheit stationiert. Die ersten Granaten schlugen am 25. März 1945 vor unserem Ort ein. Am 26. März wurde das Kloster Schönau, seine Umgebung und eine Scheune in Strüth von Artilleriegranaten getroffen. Dabei wurde beträchtlicher Schaden angerichtet. Am Abend des gleichen Tages zogen die deutschen Truppen aus Strüth ab. Am nächsten Morgen besetzten die Amerikaner den Ort. Während dieser Zeit schlugen deutsche und amerikanischen Granaten im Dorf ein. Deutsche und die Amerikaner mussten gemeinsam in Kellern Schutz suchen.
In der folgenden Besatzungszeit kam es auch zu Übergriffen gegen die Zivilbevölkerung. Plünderungen und Vergewaltigungen von Frauen kamen häufig vor.28 Strüther Bürger haben bei Kämpfen an der Front oder bei Luftangriffen ihr Leben verloren.
Was geschah noch in Strüth?
Verwaltung:
Hanß Zahn als erster Schultheiß zu Welterod (1607 – 1620), für den Ort Strüth auch zuständig, wurde bereits erwähnt. Ihm folgten weitere Schulheißen. Der erste Bürgermeister von Strüth war Justus Heinrich Göller (1850 – 1875). Bis zum heutigen Bürgermeister der Ortsgemeinde Strüth Arnold Peter gab es 16 Amtsinhaber in dieser Position.

Schule:
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die Kinder von einem geeigneten Mann während der strengen Wintermonate im Buchstabieren unterrichtet. Er wurde von den Eltern bezahlt. Wenige Schüler, für Mädchen war es unschicklich, lernten eine Stunde pro Woche freiwillig Lesen. Rechnen lehrte das Leben.
Der Schullehrer Duffing war der Überlieferung nach der erste Lehrer, der 1730 nach einem Dekret des fürstlichen Konsistoriums der Schule in Welterod zugeteilt wurde. Wegen der geringen Schülerzahl wurden in der Welteroder Schule die Kinder aus Lipporn, Strüth und Welterod gemeinsam unterrichtet. Von 1818 an gingen die Schüler von Strüth in die Klosterschule. Bis 1859 lehrten in ihr für die Schüler beider Konfessionen nur katholische Lehrer. Danach erfolgte die Trennung in eine katholische und eine evangelische Schule. Für beide gab es nur Schulräume im Klostergebäude. Wegen der Dienstwohnung für den evangelischen Lehrer gab es immer wieder Unstimmigkeiten in der Gemeinde. 1831 wurde von der Gemeinde ein Lehrerwohnhaus gebaut. Am 20.09.1952 wurde der an das Wohnhaus anschließende Schulsaalneubau eingeweiht. Die Schule in Strüth bestand bis 1970.
Mit Beginn des Schuljahres 1970/71 besuchten die Schüler und Schülerinnen die Grundschule in Miehlen oder die neu errichtete Mittelpunktsschule in Nastätten.

Ärzte:
Über die ärztliche Versorgung der Bevölkerung in Strüth ist aus früherer Zeit fast nichts bekannt. Sicherlich wird es damals Menschen, besonders Mönche, mit heilkundigen Wissen gegeben haben. Genauere Angaben sind in den Kirchenbüchern nicht zu finden.
Der erste Arzt in Strüth war zu Beginn des 20. Jahrhunderts Dr. Mascos. In seinem 1903 bis 1906 errichteten Wohnhaus waren in den Bauplänen Räume für seine Arztpraxis eingezeichnet. Außer Dr. Mascos praktizierte Dr. Dutsch in Strüth. Im Oktober 1921 kam Dr. Edmund Birker nach Strüth. 1925 wurde in Strüth ein Arzthaus gebaut. Die umliegenden Gemeinden beteiligten sich an den Baukosten. Mit einem Haus für den Arzt und ein anderes für den Apotheker im Gemeindebesitz sollte gesichert werden, dass immer ein Arzt und ein Apotheker in Strüth ihren Dienst ausüben konnten. 1955 übernahm Dr. Wolfgang Birker die Arztpraxis. Er praktizierte gemeinsam mit seinem Vater, bis dieser sich aus Altersgründen zurückzog. Nach 37 Jahren Tätigkeit als praktischer Arzt erhielt er Unterstützung von seinem Sohn Dr. Klaus Birker, der 1992 seine Arbeit als Allgemeinarzt aufnahm. Die Praxisräume reichten jetzt nicht mehr aus. Ein Anbau mit einem zweiten Behandlungszimmer, einem Warteraum und einen separaten Praxiseingang wurde errichtet.
Heute gibt es in Strüth eine moderne Gemeinschaftspraxis der Dres. Dr. Birker und Dr. Pelekanos mit einem umfangreichen Angebot ärztlicher Leistungen.

Apotheke:
Die erste Apotheke in Strüth war eine Filiale der Lorcher Apotheke Hoffmann. Sie wurde am 18. Juli 1894 behördlich genehmigt. Sie war im Privathaus der Familie Hertling untergebracht. 1904 erbaute Ludwig Hoffmann ein Wohnhaus mit Apotheke in Strüth. Der erste Strüther Apotheker in der s.g. „Alten Apotheke“ war Georg Hanow. 1918 erwarb die Gemeinde das Haus und das Inventar. Harry van Cleeff arbeitete bis 1939 in der Apotheke, die 1921 von der Regierung in Montabaur als Vollapotheke anerkannt worden war. Von 1940 bis 1963 war es Frau Erika Holzapfel, bis 1963 Heinrich Ruschig die Aufgaben übernahm. Da die Einrichtungen der Alten Apotheke nicht mehr den Anforderungen der rheinland-pfälzischen Vorschriften entsprach, wurde ein Neubau notwendig. 1965 war die Eröffnung der neuen Apotheke in der Brühl-Weiher-Straße. Nach einer 30-jährigen Dienstzeit übergab Herr Ruschig seinem Sohn Martin 1994 die Leitung der Strüther Apotheke.
Post:
Vor 1880 wurde die Post von einem alten Briefträger gebracht, der über Feldwege täglich 30-40 km zu Fuß zurücklegen musste. Dabei schleppte er auch Pakete, die er an seinem soliden Krückstock über der Schulter trug. In den folgenden Jahren war wegen der Zunahme der Postsendungen in Strüth die Zustellung durch einen einzelnen Beamten nicht mehr möglich. Nach der Fertigstellung von Verbindungsstraßen zwischen den Ortschaften wurde 1887 ein regelmäßiger Personen- und Postverkehr zwischen Strüth und St. Goarshausen eingerichtet. In der Ortsmitte neben dem Rathaus wurde am 27.01.1891 im Hause Hertling die erste Poststelle für Strüth eröffnet. Heinrich Christian Hertling erhielt die Erlaubnis zum Betreiben einer Postagentur. Er war es auch, der mit anderen zusammen mit seinen Pferden und Wagen die Personen- und Postbeförderung zwischen Strüth und Kaub betrieb. In den folgenden 104 Jahren wurde die Poststelle immer von der Familie Hertling geführt. Seit dem Frühjahr 1914 verkehrten täglich dreimal täglich zwei Omnibusse für je 15 Personen zwischen Strüth und Kaub. 1926 wurde eine neue Busverbindung von Kaub über Strüth nach Nastätten eröffnet. Wegen der neuen Busverbindungen musste in Strüth auf dem Gelände neben dem heutigen Bürgerhaus eine Halle für das Postauto errichtet und der Post kostenlos zu Verfügung gestellt werden..
Die letzte Leiterin der Postagentur war seit 1974 Frau Renate Hertling. Zum 8. April 1995 ordnete die Deutsche Bundespost aus Gründen der Rationalisierung im Postwesen die Schließung des Postamtes in Strüth an.

Licht, Wasser und Kanal:
Zwischen der Gemeinde Strüth und den Stromversorgungswerken kam es bereits 1916 zu einem Vertragsabschluss. Durch den 1. Weltkrieg verzögerten sich die Bauarbeiten. Am 06. Februar 1920 bekam unser Ort Strom. Die ersten Straßenlaternen konnten im Juli 1953 in Betrieb genommen werden. Im Rahmen der Straßenbaumaßnahme 1994/95 wurde die Straßenbeleuchtung der Schwalbacher Straße erneuert. Früher waren die Menschen in Strüth auf das Wasser des Mühlbaches als Trinkwasser angewiesen. 1872,1885 und 1886 wurden die ersten Brunnen im Ort gegraben. Die Wasservorräte waren leider nur gering. Oft kam es bei trockener Witterung zum Wassernotstand. Um das mühsame Hochziehen des Wassers aus dem Brunnen zu erleichtern, wurde 1904 die Errichtung einer Hochdruckwasserleitung geplant. Die Arbeiten dafür verzögerten sich, weil die Schürfarbeiten im „Bubenloch“ und an anderen Stellen nur geringe Wassermengen erbrachten. Durch den 1.Weltkrieg wurden die Arbeiten unterbrochen und erst 1913 wieder aufgenommen. Zwei neue Brunnen lieferten Trinkwasser. „Auf der Glubb“ wurde ein Wasserhochbehälter gebaut. Gegen viel Widerstand in der Bevölkerung wurden die Arbeiten an der Leitung als Notstandsarbeiten mit Inflationsgeld weitergeführt. Im Dezember 1923 war die Wasserleitung mit den Hausanschlüssen fertig. 1928, 1952 und 1963 gab es in Strüth wieder Wassermangel. Neue Brunnen wurden gegraben. 1965 hatte die neue Tiefbohrung „Im Förstchen“ Erfolg. Mit 5400 l in der Stunde lieferte sie reichlich Trinkwasser. Ein neuer Hochbehälter „Am Pfahl“ wurde gebaut und angeschlossen; der alte abgerissen. Von 1982 – 1985 wurden in den Nachbargemeinden Welterod und Lipporn weitere Tiefbrunnen gebohrt. Zwischen diesen Gemeinden und der Gemeinde Strüth kam es zur Vereinbarung einer Gruppenwasserversorgung.
Seit 1995 wird Strüth zu 80% vom Hochbehälter Strüth, einschließlich der Zuleitung aus Weidenbach, und zu 20% vom Hochbehälter Welterod versorgt.
Mit dem Bau von Abwasserkanälen in Strüth wurde 1953 begonnen und im gesamten Ortskern mit einem Anschluss für das Kloster verlegt. Dreiundzwanzig Jahre später mussten sie erneuert werden. 1976 erfolgte in der Nastätter Straße und ein Jahr später in der Brühl-Weiher Straße eine Neuverlegung der Kanalrohre. In Verbindung mit dem Ausbau der Schwalbacher Straße wurden 1994/95 auch in diesem Straßenabschnitt die Kanal- und Wasserleitungen von der Dorfmitte bis zum Kloster Schönau neu verlegt.
Heute ist Strüth an die Gruppenkläranlage „Oberes Mühlbachtal“ angeschlossen. Dazu mussten Abwasserrohre zwischen Strüth und der Münchenrother Brücke neu verlegt werden. Da auch die Abwässer von Welterod mit eingeleitet werden, war zwischen Strüth und Welterod der Bau eines Anschlusssammlers mit einem Regenüberlaufbecken erforderlich.
Heute ist Strüth eine intakte Gemeinde mit Aktivitäten in zahlreichen Verbänden, Interessensgemeinschaften und dem Kloster Schönau mit seiner Aufgabe als „Eine-Welt-Haus“. In Strüth gibt es wenige Arbeitsplätze. Bei den Berufstätigen ist die Pendlerquote sehr hoch.

Quelle: Johannes Thierfelder: Der Pfeilschuss in der Strude – Heimatbuch der Gemeinde Strüth-255 Seiten-
gibt es bei der Ortsgemeindeverwaltung in Strüth zu kaufen.